Düsseldorf plant völlig neue Oper, die das Stadtbild verändern könnte

Aktualisiert: 18.06.2023, 13:58 Uhr

Von: Mirjam Ratmann

Düsseldorf soll bald eine neue Oper haben – zumindest wenn es nach Oberbürgermeister Stephan Keller geht. Warum sich andere gegen das Millionen-Projekt aussprechen.

Düsseldorf – Der 15. Juni könnte ein entscheidender Tag für Düsseldorf und seine Kulturlandschaft sein: Ein gewaltiges Prestigeprojekt soll Wirklichkeit werden, im Stadtrat soll der Weg geebnet werden: der Neubau der Düsseldorfer Oper. Nicht zuletzt Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) steht hinter dem Projekt, inzwischen gibt es aber erheblichen Widerstand, unter anderem von den Grünen: Die hatten einst für den Neubau gestimmt – doch nach Corona und Ukraine-Krieg sind die Vorzeichen jetzt andere, heißt es aus der Partei.

Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf.Die Oper in Düsseldorf ist schon seit Jahren ein Sanierungsfall – jetzt soll ein komplett neues Gebäude her. © Maja Hitij/dpa

Grüne sind gegen Neubau der Oper in Düsseldorf

Nachdem sich 2021 zunächst eine breite Mehrheit im Rat für einen Neubau der Oper ausgesprochen hatte, ruderten die Grünen im Mai dieses Jahres zurück. „Wir haben diesen Prozess engagiert begleitet und wollen auch eine neue Oper haben“, sagte dazu Carla Kerlach, Bürgermeisterin in Düsseldorf, in einem Video des Instagram-Accounts der Düsseldorfer Grünen, „Wir glauben aber, dass es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.“

Die Sprecherin der Grünen Jugend in Düsseldorf Sophie Karow wies darauf hin, dass sich die Rahmenbedingungen seit dem Planungsstart der neuen Oper 2019 drastisch verändert hätten. „Wir haben Belastungen durch die Pandemie, durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, durch die Energiekrise, durch die Inflationskrise und steigende Zinsen, die den städtischen Haushalt massiv belasten.“ Daher müsse man sich gründlich überlegen, ob man für ein einzelnes Projekt eine Milliarde Euro ausgeben wolle.

Im Februar waren sieben architektonischen Entwürfe für die neue Oper in Düsseldorf ausgewählt worden. © ingenhoven associates / West 8

Statt Neubau: Mehr Investitionen für Bildung, Betreuung, Klimaschutz und Infrastruktur

Die aktuelle Kostenprognose für den Bau der Oper liegt bei 700 Millionen Euro. Diese Berechnung ist allerdings schon zwei Jahre alt.

Die Grünen wollen das Geld stattdessen lieber anders investiert sehen: in Bildung, Betreuung, den Klimaschutz und die Infrastruktur. Ein weiterer Kritikpunkt: Die bisher eingereichten architektonischen Entwürfe für den Neubau würden die Grünflächen des Hofgartens verkleinern.

So könnte die neue Oper an der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf aussehen. © HPP Architekten / Rehwaldt Landschaftsarchitekten

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Die Oper in Düsseldorf könnte neuen Standort bekommen

Von den bisherigen Entwürfen beziehen sich nicht alle auf den bisherigen Standort der Oper an der Heinrich-Heine-Allee, manche sehen neue Standorte vor. OB Keller setzt sich unterdessen dafür ein, dass die alte Oper abgerissen und die neue Oper am gleichen Standort wieder aufgebaut werden soll.

Ein weiterer ausgewählter Entwurf für das neue Opern-Gebäude in Düsseldorf. © Jörg Friedrich I Studio PFP / Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten

Insgesamt waren bei dem Ideenwettbewerb im Februar dieses Jahres sieben mögliche Modelle ausgewählt worden, vier davon für den Standort an der Heinrich-Heine-Allee, drei für den Standort der ehemaligen Galeria Kaufhof Filiale am Wehrhahn.

Sanierung statt Neubau? Manche befürchten ein Debakel wie bei der Kölner Oper

Statt eines Neubaus fordern Teile der Grünen eine Sanierung der Oper. Andere raten jedoch genau davon ab, um nicht ein ähnliches Debakel wie in Köln erleben zu müssen. In der Rheinmetropole wird das Kölner Opernhaus seit nunmehr 2012 saniert.

Die Gesamtkosten für die aufwändigen Sanierungsarbeiten liegen inzwischen bei mehr als einer Milliarde Euro – obwohl ursprünglich nur knapp 33 Millionen Euro vorgesehen worden waren. 2024 soll sie endlich fertig sein. Ein Neubau wäre womöglich deutlich günstiger gewesen.

Auch so könnte die neue Oper an der Heinrich-Heine-Allee künftig aussehen. © Snøhetta

Doch weder eine Sanierung noch ein anderer Standort für den Neubau scheint für die CDU zur Debatte zu stehen: „Das alte Opernhaus wird wegen seiner baulichen und technischen Mängel über kurz oder lang nicht mehr nutzbar sein. Mit seinen beschränkten Flächenkapazitäten genügt es schon heute nicht mehr einem zeitgemäßen Opernbetrieb für die Künstlerinnen, Künstler und Beschäftigten“, heißt es in einem Statement der CDU auf deren Webseite.

Kritik an neuer Oper kommt auch aus der Düsseldorfer Kunstszene

Der Kritik der Grünen hatte sich zuvor auch der Rat der Künste Düsseldorf angeschlossen, ein Künstlerkollektiv, das sich für die Interessen von Kunstschaffenden in der Landeshauptstadt einsetzt. „Eine Milliarde-Investition in eine einzelne Kultursparte ist politisch kaum vermittelbar in einer Landeshauptstadt, die über eine lebendige und attraktive Kulturszene verfügt“, heißt es auf der Website des Kollektivs.

Dieser Entwurf der neuen Oper Düsseldorf hat den Standort am Wehrhahn anvisiert. © gmp / POLA Landschaftsarchitektur

Gerade im Interesse der freien Szene, die ohnehin unter einem Investitionsstau leide, fordert der Rat der Künste den Stadtrat auf, die Neubaupläne zu überdenken.

Trotz Widerstand: Neue Oper soll mit SPD-Stimmen beschlossen werden

Doch trotz des Widerstandes wird der Neubau der Oper wohl in der Ratssitzung beschlossen. Denn die Düsseldorfer SPD, die zunächst ebenfalls skeptisch gegenüber dem Opernprojekt eingestellt war, will nun doch dafür stimmen. Noch vor wenigen Tagen konnte die SPD der CDU das Versprechen abringen, in Düsseldorf bis 2030 8.000 bezahlbare Wohnungen zu bauen.

Eine andere Zukunftsprojektion der neuen Oper in Düsseldorf. © Henning Larsen Architects

Außerdem sollen mehr kulturelle Begegnungsräume in Düsseldorfer Stadtteilen entstehen und gefördert werden. „Die Oper darf nicht das eine herausragende Zukunftsprojekt in Düsseldorf sein, dem alles andere unterzuordnen ist“, schrieben Oliver Schreiber und Zanda Martens, SPD-Vorsitzende in Düsseldorf, dazu bereits im Mai auf Instagram. Damit sicherte sich OB Keller voraussichtlich im Gegenzug das Ja der SPD für die Hunderte-Millionen-Oper.

Oper Düsseldorf: Seit Jahren ein Sanierungsfall

Die Oper ist Düsseldorf ist schon seit Jahren sanierungsbedürftig. Daher waren bereits rund zehn Millionen Euro in eine Sanierung gesteckt worden. Experten bemängeln unter anderem die fehlenden zweite Seitenbühne und, dass das Foyer nicht dauerhaft als Versammlungsstätte genehmigt und zudem nicht barrierefrei ist. Außerdem erfüllt das Gebäude nur bedingt Brandschutz- und Arbeitsstättenrichtlinien.

An anderer Stelle in Düsseldorf besteht ebenfalls Investitionsbedarf: So ist der Radweg an der Schadowstraße seit Jahren ein gefährliches Ärgernis. Die Stadt Düsseldorf prüft nun, ob die Verkehrsführung künftig dort geändert werden könnte, wie 24RHEIN erfuhr. Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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